MeetUp 2026: Familie Rossi zwischen 60 Jahren Geschichte und den Herausforderungen des heutigen Marktes

 

Es sind etwa zehn Tage seit dem Ende der Marmomac 2026 vergangen, und wie jedes Jahr halten wir kurz inne, um die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen und einen Blick auf das zu werfen, was uns erwartet.

Dieses Jahr, anlässlich des 60. Firmenjubiläums, haben wir uns bewusst an die Personen gewandt, die heute an vorderster Front in der Unternehmensführung stehen. Unsere Fragen stellten wir Herrn Giovanni, Geschäftsführer von Marmi Rossi, Mirco, der sich um den kaufmännischen Bereich kümmert und sich täglich mit italienischen und ausländischen Kunden austauscht, Adelino, der sich um die Beziehungen zu den italienischen Kunden und um die Verwaltung der Container für Amerika kümmert, sowie Claudio und Valeria, die im administrativen und organisatorischen Bereich tätig sind.

Diese fünf Bezugspersonen des Unternehmens haben uns jeweils aus ihrer Sicht erzählt, wie sie diese Monate des Jahres 2026 erlebt haben und uns ihre Gedanken zur bereits sechzig Jahre langen Geschichte von Marmi Rossi mitgeteilt.

(es spricht Giovanni Rossi)

Letztes Jahr sah man einen Rückgang des europäischen Marktes, wobei Frankreich minus 50 % und Deutschland minus 10 % verzeichneten; die Tendenz zeigte in Richtung Erschließung überseeischer Märkte in den USA, Kanada und Australien. Wie beurteilen Sie den Zustand des Marktes zwölf Monate später? Bringt die Strategie auf den außereuropäischen Märkten die Ergebnisse, die Sie erwartet haben?

Die Situation auf den europäischen Märkten hat sich verbessert: die Bestellungen aus den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Polen sind um über 20% gestiegen. Im Vereinigten Königreich haben wir hingegen eine deutliche Verschlechterung festgestellt, deren Gründe wir uns nicht erklären können.
Zwölf Monate später können wir zuversichtlich sagen, dass uns der Überseemarkt in den USA und Australien sehr zufriedenstellt, besonders der australische Markt, da er neu ist. Die Ergebnisse entsprechen unseren Erwartungen und die Anfragen nehmen ständig zu. Unser Ziel ist es jetzt, weiter am amerikanischen Markt dranzubleiben, ohne natürlich den australischen aus den Augen zu verlieren.

Die aktuelle Situation ist uns allen bekannt: Kriege, teurer Kraftstoff, steigende Transport- und Rohstoffkosten… Die Kunden sind vorsichtig und nur wenige haben Lust zu kaufen: auf der Messe sahen wir nicht die großen Aufträge von früher.

Trotzdem hält der Natursteinmarkt zum Glück stand. Von Januar bis heute haben wir einen prozentualen Anstieg der Verkäufe feststellen können, der sich nach der Messe bestätigt hat, denn viele Anfragen wurden in Aufträge umgesetzt, insbesondere bzgl. Quarzit und hauptsächlich Taj Mahal.

Die 60. Ausgabe der Marmomac Messe endete am 25. September mit über 1.300 Ausstellern aus 54 Ländern und 50.000 Fachbesuchern aus 132 Ländern. Im Vergleich zu 2025 ist vor allem die Zahl der Einkäufer aus der Türkei (+20%) und Indien (+16%) gestiegen, und die vor der Eröffnung organisierten B2B-Termine lagen bei über 3.200, gegenüber 2.200 des Vorjahrs. Veronafiere spricht von besser vorbereiteten Einkäufern mit echter Kaufkraft. Habt ihr diese Atmosphäre beim MeetUp auch gespürt? Wie war der Besucherandrang im Vergleich zu den eher zögernden Besuchern im Vorjahr?

Die Wahrnehmung auf der Marmomac ist anders als bei Marmi Rossi: wir hatten nicht denselben Eindruck wie die Leute auf der Messe. Tatsächlich sind aus der Türkei und aus Indien nicht Käufer, sondern Verkäufer gekommen.

Zu den Besucherzahlen können wir nicht viel sagen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren haben wir einen Rückgang beim Verkauf von Marmor und Granit festgestellt (davon ausgenommen sind schwarze Natursteine wie Zimbabwe und Impala), während die Nachfrage nach Quarzit gestiegen ist. Auch das Kaufverhalten hat sich geändert, da es – wie bereits gesagt - durch die Unsicherheit der allgemeinen Krisensituation und vor allem durch die Kriege gebremst wird.

Fürs Erste heißt es abwarten: der Oktober wird uns die genauen Verkaufsergebnisse der Messetage zeigen.

Der momentan gefragteste Naturstein ist Quarzit. Nero Assoluto, Zimbabwe und Nero Impala bestätigen den Trend mit leichtem Verkaufsanstieg. Die indischen Granite hingegen sind drastisch rückläufig.

In diesem Jahr hat Marmi Rossi das 60. Firmenjubiläum gefeiert, genau zeitgleich mit der 60. Ausgabe der Marmomac Messe. Wenn Sie zurückblicken, was hat sich in Ihrem Beruf am meisten verändert und was ist seit 1966 gleichgeblieben? Und was wünschen Sie Ihrem Unternehmen für die kommenden Jahre?

Im Laufe der Jahre gab es bei Marmi Rossi große Produktveränderungen: anfangs stellten wir Fertigarbeiten her, heute verkaufen wir ausschließlich Platten.

Auch Rohstoffe und Maschinen haben sich verändert, die Technologien werden immer fortschrittlicher: von Stahlrahmen zu Multiseilsägen mit immer dünneren Diamantseilen, die es uns heute ermöglichen, auch Quarzite optimal und ohne Brüche zu schneiden.

Und in den nächsten Jahren? Wir hoffen, den jetzigen Weg fortzuführen und den Umsatz weiter zu steigern. Das ist unbedingt notwendig, um die Personalkosten zu decken und neue, hochmoderne Maschinen zu kaufen, deren Preise in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Wie wollen wir das schaffen? Indem wir die Märkte erweitern (und hier kommen die neuen Vorsätze für die nächsten Monate, Anmerkung der Redaktion).

 

(es spricht Claudio Rossi)

Du hast einen wichtigen Teil dieser 60 Jahre aus erster Hand erlebt. Gibt es einen Moment, eine Entscheidung oder eine Erinnerung, die deiner Meinung nach die Geschichte von Marmi Rossi am besten erzählt bzw. einen Grund, warum das Unternehmen so weit gekommen ist?

Eigentlich gibt es keinen bestimmten Moment, sondern eher eine Haltung, die ich mit einem Beispiel erklären möchte.

In dem Jahr, in dem Marmi Rossi gegründet wurde, kam auch das erste Enkelkind zur Welt, in einem Haus, in dem wir zu elft in gerade mal drei Schlafzimmern lebten. Das ist der Beweis, dass wir alle Ereignisse meistern, keine Mühen scheuen und uns anpassen können.

So waren wir in der Lage, mit den Veränderungen in der Region und auf den Märkten Schritt zu halten, sowohl bzgl. der Rohstoffe als auch der Technologien. Dazu würde ich noch eine gute Portion Intuition und ein gewisses Maß an Mut hinzufügen, den Augenblick zu nutzen, ohne jedoch jemals über unsere Verhältnisse zu leben oder uns selbst zu überschätzen. Das ist eine Fähigkeit, die nicht jeder hat. Als Familie haben wir immer zusammengehalten, ohne Streit oder Unternehmensspaltungen. Genau das hat uns ermöglicht, bis hierher zu kommen und alle Träume von Papa Maurizio zu verwirklichen.

 

(es spricht Adelino Rossi)

Am 6. Oktober wirst du 60 Jahre alt, genau wie Marmi Rossi: ihr seid praktisch gleichaltrig! Jeden Tag kümmerst du dich um die italienischen Kunden und die Verwaltung der Container, die nach Amerika verschifft werden. Auf diesen Markt wird das Unternehmen weiterhin setzen. Was bedeutet es für dich, diesen Meilenstein zusammen mit dem Unternehmen zu feiern? Und was verlangen aus deiner Sicht die Kunden heute im Vergleich zu den früheren Jahren?

Wer mich fragt, wie ich meine sechzig Jahre verbracht habe, dem antworte ich oft, dass ich nicht in den Kindergarten gegangen bin, sondern direkt ins Unternehmen!

Die Kunden? Sie fragen uns immer nach hochwertigen Materialien, weil sie ständig nach dem Wow-Effekt suchen, vor allem die amerikanischen Kunden. Dagegen war die Nachfrage auf den englischen und polnischen Märkten leider gering.

 

 

 

(es spricht Mirco Rossi)

Du bist jeden Tag mit Kunden aus Italien und im Ausland in Kontakt. Letztes Jahr standen Quarzite absolut im Mittelpunkt und das Online-Lager etablierte sich als ergänzender Verkaufskanal. Welche Trends siehst du dieses Jahr bei den Kundenanfragen bezüglich der Materialien, Märkte und Kaufmethoden?

Wir haben einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Quarzit festgestellt, insbesondere nach Taj Mahal, der auch in diesem Jahr das gefragteste Material ist: sein neutraler Farbton, der sehr geschätzt wird, folgt nicht den aktuellen Modetrends.

Im Laufe der Zeit haben wir auch festgestellt, dass sich die Art der Kundenbetreuung, je nach Markt, unterscheidet: In Europa bevorzugt man eine direkte Beziehung zum Lieferanten, während in den USA oft schon eine E-Mail mit Neuigkeiten ausreicht, um Interesse zu wecken.
Während der Marmomac Messe haben wir jedoch keinen Anstieg der Kundschaft festgestellt. Leider besuchen nur wenige Kunden die Messe und wenn, dann kaufen sie nicht ein. Für viele von ihnen lohnt es sich heute gar nicht mehr, persönlich an den Messetagen vorbeizukommen und das eigene Unternehmen zu verlassen: heute kauft man nach Bedarf und vermeidet es, Material im Lager zu horten.

 

(es spricht Valeria Rossi)

Marmi Rossi ist ein Unternehmen, in dem mehrere Generationen der Familie zusammenarbeiten.
Was bedeutet es für dich, im täglichen Arbeitsleben und im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern, Teil der „großen Familie Rossi“ zu sein?

Die Zusammenarbeit ist nicht immer einfach: verschiedene Generationen, aber vor allem unterschiedliche Charaktere, tun sich manchmal schwer, miteinander auszukommen. Die größte Herausforderung besteht darin, einen gemeinsamen Nenner zu finden, aber letztendlich haben wir es immer geschafft. Genau deshalb ist die Familie auch zusammengeblieben und das Unternehmen konnte weiterwachsen.

Was Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter angeht ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, eine menschliche Beziehung aufzubauen, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert. Dieser Wert begleitet uns seit jeher und war grundlegend für die Arbeitsweise meines Großvaters Maurizio, der Vereinbarungen noch mit Handschlag besiegelte.